Sollte ich mit meiner Imkerei wandern oder nicht wandern?

Prinzipiell gibt es zwei Arten, die Imkerei zu betreiben. Das hat wie so häufig Vor- und Nachteile. Was für und was gegen eine Wanderimkerei spricht erfährst du hier.

Mit Bienen wandern
Zwei Beuten von meiner Standimkerei

Wandern in der Imkerei. Was ist das?

Wandern bedeutet, dass du deine Völker während der Saison regelmäßig von einem Standort zum nächsten transportierst. Der Grund dafür liegt darin, dass die Trachten nach und nach blühen. So kannst du deine Völker beispielsweise während kurz vor der Rapsblüte zu den Feldern bringen. Durch die kürzeren Wege können die Bienen in der gleichen Zeit natürlich wesentlich mehr Honig einlagern. Dabei macht es schon einen Unterschied, ob die Bienen direkt am Feld oder 100 Meter entfernt stehen. Ebenfalls kannst du durch die Wanderung bestimmte Sortenhonige ernten, wie z.B. Waldhonig.

 

Pro und Contra der Wanderimkerei

Was spricht für die Wanderimkerei und was dagegen?

 

Vorteile

Wie oben bereits beschrieben, kannst du durch die Wanderung eine höhere Honigernte einfahren. Außerdem kannst du eher Sortenhonig ernten, als es durch eine Standimkerei möglich wäre.

 

Nachteile

Die Wanderung ist mit einem deutlich höheren Aufwand verbunden. Die Honigzargen sind schwer und auch zu zweit hat man da wirklich Arbeit. Wenn du zehn Völker von einem zum anderen Standort gebracht hast, wirst du das abends merken.

Auch der eigentliche Vorteil einer höheren Ernte kann sich schnell ins Gegenteil verkehren; wenn die erwartete Tracht ausbleibt hattest du einen höheren Aufwand und größere Investitionen (bspw. durch Transportkosten). So hast du dann eher einen Verlust gemacht.

Mit der Wanderung gehst du auch ein höheres Risiko ein. Es kann durchaus passieren, dass Bienenvölker gestohlen werden.

 

Vorbereitung der Wanderung

Hier gibt es einige gesetzliche, für dich persönlich wichtige und auch imkerlich-kollegiale Dinge zu beachten.

 

Erlaubnis zum Bienen aufstellen

Selbstverständlich darfst du die Bienen nicht einfach so aufstellen, sondern du brauchst die Erlaubnis des Besitzers des jeweiligen Grundstücks.

 

Bestäubungsprämie

Wenn du Bestäubungsimker bist, kannst du auch eine Bestäubungsprämie verlangen. Das muss allerdings vor der Aufstellung der Bienen vereinbart werden.

 

Gesundheitszeugnis und Veterinäramt

Wenn du deine Bienen verstellst brauchst du ein Gesundheitszeugnis, dass die Bienen frei von der amerikanischen Faulbrut sind.

Außerdem musst du den Standort und die Anzahl deiner Bienenvölker beim Veterinäramt melden.

 

Ein gesunder Abstand zu Bestandsvölkern

Wenn du in bestimmte Gebiete wanderst ist es wahrscheinlich, dass dort schon Bienenstände vorhanden sind. Erkundige dich bitte beim örtlichen Imkerverein, ob jemand in deiner Wandergegend schon einen Bienenstand hat. Dann nimm mit dem Imkerkollegen Kontakt auf und vereinbart einen Mindestabstand. Du bist dazu rechtlich nicht verpflichtet, im kollegialen Verhältnis solltest du aber so vorgehen.

 

Anforderungen an einen guten Wanderstand

Der Untergrund sollte zunächst fest sein und du solltest dir keine Gedanken machen müssen, dass der Boden bei Regen weich wird die Beutenböcke versinken.

Du solltest das Gras vor und unter den Beuten abmähen. Einerseits, damit die Bienen ungehindert aus den Fluglöchern ausfliegen und genug Luft unter den Beuten gewährleistet eine gute Ventilation.

Wenn du im Nachhinein feststellst, dass der Wanderstand doch nicht der Beste war, wandere im nächsten Jahr einfach einen anderen an.

 

Wirtschaftliche Aspekte der Wanderung

Wie oben beschrieben, kannst du deine Honigernte durch deine Wanderung (deutlich) erhöhen.

Gehen wir von einem positiven, aber realistischen Fall aus:

  • Wanderung in den Raps mit zehn Völkern.
  • Mehrertrag pro Volk gegenüber der Standimkerei: 20Kg x 10 Völker = 200Kg.
  • Finanzieller Mehrertrag: 200Kg Honig x 6,00 Euro pro Glas = 1.200 Euro.

 

Welche Kosten sind zu berücksichtigen?

  • Gehen wir von zwei Fahrten zum Auf- und Abbau des Wanderstands aus von drei Fahrten aufgrund der Durchsicht. Eine einzelne Fahrtstrecke würde ich mit 10km veranschlagen, also 20km für Hin- und Rückweg. Für die insgesamt fünf Fahrten sind somit 100km zu fahren. Für die Fahrzeit würde ich pro Strecke 15 Minuten veranschlagen, also insgesamt 150 Minuten. Für eine Arbeitsstunde setze ich 20 Euro an. Für den Auf- und Abbau des Wanderstands setze ich je eine Stunde an, also zwei Stunden insgesamt.
  • Fahrtkosten: 100km x 0,30 Euro pro Kilometer = 30 Euro.
  • Kalkulatorische Kosten für die Fahrzeit: 20 Euro pro Stunde x 2,5 Stunden = 50 Euro.
  • Kalkulatorische Kosten für Auf- und Abbau des Bienenstands: 20 Euro pro Stunde x 2 Stunden = 40 Euro.

 

Dein Gewinn würde in diesem Fall um 1.080 Euro steigen (1.200 Euro Mehrertrag – 30 Euro Fahrtkosten – 50 Euro Fahrzeit – 40 Euro Kosten für den Auf- und Abbau).

 

Vor- und Nachteile der Standimkerei und Wanderimkerei

Beginnen wir mit der Standimkerei.

 

Vorteile:

  • In der Regel sehr nah am Wohnhaus oder sogar im eigenen Garten.
  • Bei gutem Material sehr lange nutzbar (das Bienenhaus meines Nachbarn steht seit über 40 Jahren).
  • Durch jahrelange Erfahrung weiß man ungefähr, wie hoch die Honigernte ausfallen wird.

 

Nachteile:

  • Insbesondere bei einem Bienenhaus ist man auf Jahre auf den Standort festgelegt.
  • Beim Ausbau der Imkerei können relativ viele Bienenvölker auf engem Raum stehen.
  • Möglicherweise ist zu wenig Tracht für die Völker am Stand vorhanden.

 

Nun zur Wanderimkerei

 

Vorteile:

  • Sehr gute Chancen mehr auf größere Honigernte.
  • Die Völker haben durch das gezielte Anwandern einer Tracht mehr Futter.
  • Schlechte Standorte können im Folgejahr getauscht und gute Standorte beibehalten werden.

 

Nachteile:

  • Man muss durch Versuch und Irrtum lernen; ob ein Wanderplatz geeignet ist oder nicht erfährt man erst im Nachhinein.
  • Mühe und Kosten für Gesundheitszeugnis und Absprachen mit anderen Imkern.
  • Möglicher Ärger, wenn andere Imker nicht wollen, dass ihr Standgebiet angewandert wird.
  • Gefahr des Bienendiebstahls bei Aufstellung im Freien.
  • Auf- und Abbau des Wanderstands körperlich anstrengend und für körperlich schwächere Menschen problematisch.

 

Persönliche Checkliste, ob die Wanderimkerei für dich in Frage kommt

Anbei noch ein paar Stichpunkte, ob Wandern etwas für dich als Imker ist.

 

Wirtschaftliche Überlegungen

  • Du willst deiner Kundschaft durch Sortenhonige etwas Besonderes anbieten und dafür einen höheren Preis durchsetzen.
  • Du willst durch eine höhere Honigernte mehr Einnahmen generieren.

 

Logistische Voraussetzungen

  • Du verfügst über eine ausreichende Logistik mit einem geländegängigen Fahrzeug und evtl. einem Anhänger.
  • Die Wandergebiete liegen in einer angemessenen Entfernung im Verhältnis zum möglichen Mehrertrag und Mehraufwand.
  • Du verfügst über genug Bienenvölker, damit sich die Wanderung überhaupt lohnt.
  • Deine Beuten sind vom Material her für die Wanderung geeignet und gehen dadurch nicht kaputt.

 

Rechtliches

  • Du hast ein Gesundheitszeugnis deiner Bienen und bist bereit, dafür Geld zu investieren. Außerdem musste du deine Bienen, aber besten schon im Oktober des Altjahres, auf Faulbrut untersuchen lassen.

 

Persönliches

  • Du bist bereit, dir mehr Arbeit zu machen und verschiedene Risiken, wie zum Beispiel Diebstahl der Bienen oder Ausfall einer erwarteten Tracht, einzugehen.
  • Du bist konfliktbereit und –fähig, wenn andere Imker ihr Revier verteidigen wollen.
  • Du bist körperlich kräftig genug für das Aufstellen der Bienen und du hast einen oder mehrere Partner, die dir bei der Wanderung helfen.
  • Du hast ausreichend Zeit für die Fahrten zu den Wanderständen.

 

Fazit zum Thema Wandern mit Bienen

Wie du in diesem Artikel gelesen hast, gibt es einiges bei der Bienenwanderung zu beachten. Wenn du meine Ratschläge beherzigst und möglichst viele Punkte aus der Checkliste erfüllst kannst du einen guten Erfolg mit deiner Bienenwanderung erzielen.

 

Wie sind deine Erfahrungen? Ich freue mich auf Diskussionen im Kommentarfenster.

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