Kann man Winterverluste schon frühzeitig absehen?

Im Schnitt liegen die Winterverluste bei Bienen bei ca. fünfzehn bis zwanzig Prozent. Ein Hobbyimker mit zehn Völkern verliert also ein bis zwei Völker. Allerdings schwanken diese Zahlen von Jahr zu Jahr sehr stark. Woran kann das liegen?

Winterverluste werden im Frühjahr festgestellt

Zwischen Ende Februar und Anfang März kann man bei Temperaturen ab ca. 12 Grad Celsius und mehr die Bienenstöcke kurz öffnen. Dabei wirst du feststellen, ob deine Bienen noch am Leben sind oder nicht. Aber schon im alten Jahr kannst du feststellen, ob deine Bienenvölker das neue Jahr eher erleben oder nicht erleben werden. Dazu gibt es einige Indizien.

 

Milbenfall gegen Ende des Jahres

Für eine Milbenkontrolle im Oktober legst du die Bodenschieber für drei Tage unter deine Beuten. Anschließend zählst du die Milben und teilst die Anzahl durch drei für die Ermittlung, wie viele Milben durchschnittlich täglich fallen. Du kannst du Ränder deines Bodenschiebers auch mit Öl einschmieren. So verhinderst du, dass Ameisen die toten Milben wegtragen und das Ergebnis verfälschen. Gute Bodenschieber haben auch eine Mulde, ähnlich eines Backblechs. So kannst du verhindern, dass der Wind tote Varroen wegweht.

Wenn mehr als eine Milbe pro Tag fällt musst du im brutfreien Zustand mit Oxalsäure behandeln. Das kann dein Volk retten. Beachte dabei immer folgenden Grundsatz: Zwei Mal ist immer einmal zu viel. Mit anderen Worten: Du darfst immer maximal eine Oxalsäurebehandlung im Winter machen.

 

Deformierte Flügel

Ich hatte es in einem anderen Artikel schon geschrieben: Deformierte Flügel sind ein Anzeichen für Varroa-Befall.

 

Milde Temperaturen im Vorjahr

Bei steigenden Temperaturen beginnen die Bienen mit dem Brüten. Dabei steigt auch die Varroa-Population, da diese sich in der Brut vermehren. Mit mehr Bienen hast du dann auch automatisch mehr Varroen im Volk. Diese verdoppeln ihre Population alle drei Wochen. Im August ist das besonders dramatisch, weil dann die Winterbienen schlüpfen, die bis in nächste Frühjahr durchhalten müssen.

 

Fazit

Durch eine rechtzeitige Kontrolle kannst du schon erkennen, ob dein Bienenvolk in Gefahr ist, den Winter nicht zu überleben. So kannst du zeitgerecht geeignete Maßnahmen für die Rettung deines Bienenvolks ergreifen. Auch hier gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

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4 Antworten auf „Kann man Winterverluste schon frühzeitig absehen?“

  1. „Du darfst immer maximal eine Oxalsäurebehandlung im Winter machen“ trifft nur für geträufelte Oxalsäure Präparate zu – die mittlerweile zugelassene Oxalsäure-Sprühbehandlung (mit zuckerfreier Lösung) darf mehrfach im Leben einer Biene erfolgen.

  2. Sorry, wenn ich widerspreche.
    Überwinterungsverluste müssen nicht sein! Wenn es Verluste gibt ist dies die Folge imkerlichen Versagens, wobei ich keine Schuldvorwürfe erheben möchte, denn meistens beruhen die Fehler auf falsche Annahmen.
    Wer erst im Oktober, aufgrund erhöhten Milbenfalls, agiert und quasi eine Notbehandlung durchführt hat bereits verloren. Auch wenn es gelingt die Milbenbelastung zu reduzieren, so bleiben die Schäden und sonstigen Auswirkungen durch die Milben.
    Eine verlustfrei Überwinterung kann erreicht werden, wenn man bereits nach dem Abschleudern die Milbenbelastung so drastisch reduziert, dass die entstehenden Winterbienen gesund, vital und langlebig sind. Wer ein entsprechendes Behandlungskonzept entwickelt und ein wirksames Behandlungsmittel wählt das die Bienen oder die Brut nicht über Tage und Wochen hinweg schädigt muss sich keine Sorgen machen.

    1. Hi Imka. Die Aussage unterstütze ich definitiv dahingehend, dass eine Behandlung im Oktober DEUTLICH zu spät ist. Ich behandele Mitte Juli in Abhängigkeit der Wetterlage schnellstmöglich nach dem Abschleudern. Auch das Schneiden des Drohnenrahmens während der Saison reduziert die Milbenbelastung schon erheblich.
      Ich bin auch dahingehend bei dir, dass viele Völkerverluste aus imkerlichen Fehlern entstehen.
      Eine Imkerei ohne Völkerverluste wäre sicherlich schön, ich halte sie aber für sehr schwer in die Praxis umsetzbar.

      LG Manuel

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